MVTEC HALCON
„Surfaced-Based Matching“, „Sheet-of-Light“ oder „Edge Extraction“ klingen zwar nach Science-Fiktion-Begriffen, sind aber etablierte Methoden der industriellen Bildverarbeitung. Vista Solutions nutzt diese Technologien für eine automatisierte Anwendung zur Inspektion und Vermessung von Bodenwannenbaugruppen in der Automobilbranche. Dafür führt die Lösung True Position Measurements (TPM) durch und bestimmt relevante Referenzpunkte. Im Einzelnen funktioniert das so: Zwei Roboter erfassen mit 2D-Kameras Bilder der relevanten Merkmale. Daraufhin verarbeitet die Machine Vision Software MVTec HALCON diese Bilder und misst Weite, Tiefe, Abstände und Materialstärken. Zusätzlich steuert HALCON die Bewegungen der Roboter für diese Messaufgaben. Das Ergebnis ist ein vollständig automatisierter Prüfprozess.
Realisiert wurde die Lösung von dem kanadischen Unternehmen Vista Solutions. Dieses besteht seit 2003 und ist in den Bereichen Automotive, Straßensicherheit und Verteidigung tätig. Das Unternehmen entwickelt Machine-Vision-basierte Lösungen und ergänzt diese eigenen Service und Support.

Machine Vision gewinnt in der industriellen Produktion zunehmend an Bedeutung. Die Technologie ermöglicht eine effizientere Automatisierung und entlastet Mitarbeitende von wiederkehrenden Aufgaben. Besonders in der Qualitätskontrolle bietet sie Vorteile: Systeme arbeiten 24/7, objektiv und unabhängig von Ermüdung. Die hardwareunabhängige Machine Vision Software HALCON unterstützt dabei unterschiedliche Kameras und Sensorsysteme. So lassen sich automatisierte Anwendungen flexibel anpassen.
Zurück zur Lösung von Vista Solutions: Diese wurde als Inline-System zur vollautomatischen Qualitätskontrolle bei einem Automobilzulieferer integriert. Ziel war eine konsistente, 100-prozentige Inline-Prüfung innerhalb der Taktzeit sowie in Echtzeit. „Um diese Ziele zu erreichen, war klar, dass eine Lösung nur auf Basis von Machine Vision funktionieren kann. Die Technologie bietet große Flexibilität und zuverlässige Ergebnisse, auch bei variierenden Kamerapositionen“, erklärt Peter Denzinger, Vice President of Engineering bei Vista.
Die Lösung basiert auf zwei 6-Achs-Robotern mit 3D-Snapshot-Imager-Systemen. Diese kombinieren Kamera, Ringlicht und Laserprojektoren zur Erfassung von 3D-Daten. MVTec HALCON übernimmt verschiedene Aufgaben innerhalb der Anwendung. Dazu gehört die Hand-Auge-Kalibrierung, die die Koordinatensysteme von Robotern und Vision System synchronisiert. So kann der Roboter die exakten Positionen der Messpunkte bestimmen. Peter Denzinger ergänzt dazu: „Mit MVTec arbeiten wir bereits seit 2008 zusammen. Und auch für dieses Projekt bietet die Software von MVTec die Funktionsvielfalt und Plattformunabhängigkeit, die wir brauchen.“
Im Betrieb bewegen sich die Roboter zu definierten Messpunkten, sobald eine Bodenwanne in Ihren Arbeitsbereich geschleust wird. Dort erfassen sie Bilddaten in Echtzeit. Die Software berechnet die Positionen in Real-World-Koordinaten und führt TPM-Messungen durch. Das Ergebnis ist eine klare Bewertung: bestanden oder nicht bestanden. Hier kommen nun – ganz ohne Science Fiction – die oben genannten Bildverarbeitungsmethoden aus der HALCON-Bibliothek zum Einsatz. Sie werden für jedes Bauteilmerkmal angewendet:
Anschließend erfolgen Lehrenmessungen und die Berechnung von 3D-Offsets. Jan Gärtner, Produktmanager HALCON bei MVTec, erklärt dazu: „Mit den über 2.100 Operatoren der HALCON-Bibliothek können wir für verschiedene Tätigkeiten die richtige Methode anbieten. Das erhöht für Unternehmen enorm die Flexibilität, da sie viele verschiedene Tätigkeiten mit HALCON durchführen können.“

Die Lösung ist bereits im produktiven Einsatz. Somit hat sich die vollautomatische Qualitätskontrolle auf der Basis von Machine Vision im Betrieb bewährt. „Alle strategischen Ziele wurden erreicht. Besonders die resultierende Qualitätsverbesserung bietet klare Wettbewerbsvorteile“, erklärt Peter Denzinger.
Für die Zukunft erwarten Vista und MVTec weiteres Wachstum im Bereich automatisierter Inspektionslösungen in der Automobilbranche. Machine Vision bildet dafür die technologische Grundlage. „Diese Lösung zeigt, wie vielseitig Machine Vision in der industriellen Produktion eingesetzt werden kann“, resümiert Jan Gärtner.
Veröffentlicht am: 29. April 2026